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Die Stadthalle in Wanne (Die „Käseglocke“)



Im Amt Wanne gab es nach dem Ersten Weltkrieg keine Stadthalle, wo man hätte größere Ereignisse feiern können. Bei der Suche der Behörden nach einem geeigneten Grundstück war die Witwe des 1920 verstorbenen Bauunternehmers August Franke nützlich. Sie bot einen Baugrund zwischen der St. Josephskirche und der Kurhausstraße zu einem günstigen Preis an.
Der Wanner Beigeordnete und Baumeister Bruno Lehmann legte in der Ausschreibung den eigenwilligen Entwurf eines Kuppelbaus von 1500 Quadratmetern mit drei angrenzenden Sälen vor. Das Ganze sah dem Kuppelbau des heutigen Berliner Reichstags verblüffend ähnlich. Die Haupthalle bildete mit einer Grundfläche von 800 Metern ein regelmäßiges Achteck, das sich nach oben stufenförmig verjüngte. Durch den Eingang an der Kurhausstraße betrat der Besucher den 15 Meter hohen Innenraum. Das Tageslicht fiel gedämpft durch Oberlichtfenster und Schlitze an den Seiten. Die Seitenwände selbst waren aus Bimsdielen in Schalenbauweise errichtet. Der Innenraum des Kuppelbaus bot Platz für 1200 Besucher. Wurde eine Bühne aufgebaut, reduzierte sich das Fassungsvermögen um etwa 300 Plätze.
In den Nebengebäuden waren das Heimatmuseum, die Spiel- und Turngeräte des Jungengymnasiums und die Versammlungsräume für politische oder private Veranstaltungen untergebracht. Bei der Eröffnung am 26. Juli 1925 waren Politiker, Vertreter des Verkehrsvereins Wanne-Eickel, des Kunstvereins, des gerade gegründeten Heimatvereins sowie von Handel und Gewerbe anwesend. Während die Stadthalle in der Folgezeit meist leer stand, wenn nicht der Gymnasiallehrer Paul Käse mit Schülern dort Sport trieb, änderte sich das im Jahr 1926 durch die Stadtwerdung von Wanne-Eickel. Am 1. April 1926 fand ein Mannschaftsrennen der Berufsradfahrer statt. Fortan hatten Sportveranstaltungen einen festen Platz im Veranstaltungskalender der Halle, die bald den Namen „Käseglocke“ trug.
Wind und Wetter hatten dazu beigetragen, dass die Holzverschalung einen gelblichen Ton annahm; außerdem hieß der Mann, der für Sportgeräte in der Halle verantwortlich war, mit Nachnamen „Käse“. Er trug den Beinamen mit Gelassenheit. Ab 1930 wurde die Stadthalle, welche Orchester, Lichtbildervorträge, Buchwochen und Ausstellungen erlebt hatte, zunehmend politisiert. Großkundgebungen der Nationalsozialisten wechselten einander ab, Hitlerreden per Radio übertragen. Den Höhepunkt erreichte der Trubel, als am 9. November 1933 der Oberbürgermeister Heinrich Günnewig den Kanzler Adolf Hitler zum Ehrenbürger der Stadt Wanne-Eickel proklamierte.
Das Aus für die Stadthalle kam am 17. Januar 1942. Um 21.15 Uhr äscherte ein Brand die Halle bis auf die Grundmauern ein. Das Unglück geschah kurz nach einem Konzert des Reichsmusikcorps. Das Gebäude wurde nicht wieder aufgebaut. Eine Informationstafel der Gesellschaft für Heimatkunde erinnert heute an die Stadthalle, der nur wenige Jahre vergönnt waren.

Wolfgang Viehweger - Zeichnung: Fritz Illburger, 1951

 

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